Dov Paisikovic

Dov Paisikovic, 1924 in Velky Rakovec/Tschechoslowakei geboren, wurde im Mai 1944 aus Munkács/Mukačevo (Karpatenukraine/Transkarpatien), das seit 1938 zu Ungarn gehörte, mit seinen Eltern und sieben Geschwistern nach Auschwitz verschleppt. Nur er und ein Bruder überlebten die Lager. Paisikovic erhielt die Häftlingsnummer

Häftlingsnummer

::Die → SS gab jedem ins Lager verbrachten Häftling eine Lagernummer.
Folgende Nummernserien gab es in Auschwitz:
Männer:
Nummernserie 1 – 202.499 (Vergabezeitraum: Mai 1940 bis Januar 1945); Nummernserie A-1 – A-20.000 (Vergabezeitraum: Mai bis August 1944); Nummernserie B-1 – B-14.897 ((Vergabezeitraum: Juli bis Dezember 1944)
Frauen:
Nummernserie 1 – 89.325 (Vergabezeitraum: März 1942 bis November 1944); Nummernserie A-1 – A-29.354 (Vergabezeitraum: Mai bis November 1944)
Sinti/Roma („Zigeuner“):
Männer: Z-1 – 10.097
Frauen: Z-1 – 10.849
Sowjetische Kriegsgefangene:
RKG-1 – 11.957

A-3076 und wurde nach wenigen Tagen zusammen mit seinem Vater dem „Sonderkommando“ zugeteilt. In einem zur Vergasungsanlage umgebauten Bauernhaus hatten der Zeuge und sein Vater Leichen aus den Gaskammern zu Verbrennungsgruben zu transportieren, später wurden sie in den Krematorien eingesetzt. Das „Sonderkommando“, das im Sommer 1944 aufgrund der großen Zahl von Todeszügen bis auf circa 1.000 Mitglieder angewachsen war, war teilweise auf den Dachböden der Krematorien untergebracht. Seit Ende Oktober 1944 arbeitete Paisikovic bei der Beseitigung der Spuren der Massenvernichtungsanlagen. Die Häftlinge hatten die Krematorien abzureißen und Asche und Knochenreste in den nahen Fluss Weichsel zu schütten. Paisikovic überlebte den Todesmarsch, kam ins KZ Mauthausen (bei Linz/Österreich) und die Nebenlager Melk und Ebensee und wurde im Mai 1945 von der amerikanischen Armee befreit.
Zur Zeit seiner Vernehmung im Oktober 1964 war der Zeuge Dov Paisikovic 40 Jahre alt, von Beruf Fleischer und lebte in Chedera/Israel.

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Hörbeispiel:
Es war ein Fall, die Leute waren schon in der Gaskammer

Gaskammer

::Die Räume, in denen in Auschwitz Menschen mit dem Giftgas → Zyklon B ermordet worden sind, die Gaskammern, wurden von der → SS in den Bauplänen meist „Leichenkeller“ genannt. Gaskammern gab es im Lagerkomplex Auschwitz an insgesamt sieben Stellen: Im → Krematorium I, in den umgebauten Bauernhäusern in Birkenau (→ Bunker Nr. 1 und → Bunker Nr. 2) und in den → Krematorien II bis V. Die Gaskammern hatten gasdichte Türen mit einem Guckloch, Vorrichtungen zum Einschütten von → Zyklon B (Einwurfluken) und teilweise auch Ventilationssysteme, um die Luft absaugen zu können.. Und man hat das Zyklon, eine Büchse, zu dem Dach gebracht, und eine zweite Büchse war nicht [da]. War dorten ein Arzt, und der Arzt fragt den Chauffeur: „Wo hast du die andere?“ Sagt er: „Ich habe nur eine gebracht.“ Hat er ihn angeschrien und ihm gesagt: „Du musst [aus] Auschwitz noch eine Büchse bringen.“ Das hat [längere] Zeit gedauert, bis sie tot waren und bis man die andere Büchse gebracht hat, weil die Tore waren schon verschlossen.
(98. Verhandlungstag, 8.10.1964)

Erläuterung:
In den Decken der Gaskammern der Krematorien II und III waren Öffnungen angebracht, durch die das Tötungsmittel Zyklon B eingeworfen wurde. In Auschwitz wurden meist Büchsen mit einem halben oder einem Kilo Zyklon B verwendet. Das Gas war neben dem Stammlager (Auschwitz I) im sogenannten Theatergebäude gelagert. SS-Leute, die als „Desinfektoren“ ausgebildet worden waren und der Abteilung SS-Standortarzt angehörten, holten das Gas mit einem Sanitätskraftwagen (Sanka) ab und brachten es zu den Krematorien. Durch eine Gasmaske geschützt, öffnete der „Desinfektor“ mit einem speziellen Schlageisen die Büchse und schüttete das Gas in die Kammer. Wie viel Zyklon B verwendet wurde, hing von der Größe der Gaskammer, der Anzahl der Opfer und der Raumtemperatur ab. Der erste Kommandant von Auschwitz, Rudolf Höß, gab an, zur Tötung von circa 1.500 Menschen seien zwischen 5 und 7 Kilogramm Zyklon B erforderlich gewesen.

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Foto: Günter Schindler, © Fritz Bauer Institut