Mariana Adam

Mariana Adam (geb. Willner), 1923 in Tîrgu Mureş/Neumarkt (Rumänien) geboren, wurde im Juni 1944 zusammen mit ihren Eltern von Rákosliget (heute ein Stadtteil von Budapest) nach Auschwitz deportiert und unregistriert für wenige Tage als sogenannter „Depothäftling“ im Durchgangslager „Mexiko

Mexiko

::In der Sprache der Häftlinge hieß der Lagerteil BIII, der seit Mitte 1944 erbaut und nicht fertiggestellt wurde, „Mexiko“. In dem Lagerabschnitt waren Frauen, meist Jüdinnen aus Ungarn, untergebracht.“ (BIII) untergebracht. Anschließend kam Adam auf Transport und wurde in das Konzentrationslager Plaszów bei Krakau verbracht. Nach der Auflösung von Plaszów kam sie in einem Transport von 7.500 jüdischen Häftlingsfrauen Anfang August 1944 nach Auschwitz zurück und wurde als Häftling Nummer A-17.169 registriert. Auf der Rampe von Birkenau wurde Adam von einem SS-Führer selektiert, der ihr Tage darauf als der Apotheker Dr. Victor Capesius beschrieben worden ist. Adam kam zusammen mit anderen jüdischen Frauen in den Lagerabschnitt BIIb, der nach der zweiten Liquidierung des Theresienstädter Familienlagers (Juli 1944) zur Unterbringung von Jüdinnen aus Ungarn diente.
Zur Zeit ihrer Vernehmung im November 1964 war die Zeugin Mariana Adam 41 Jahre alt und arbeitete als Röntgenassistentin in Oradea/Rumänien.

Buchpublikation:
Mariana Adam, Ella Salomon: Was wird der Morgen bringen? Zwei Jüdinnen überleben Auschwitz und finden zum Glauben an Jesus Christus. Aus dem Ungarischen von Moshe Fogel. Stuttgart: Edition Anker, 1995, 160 S.

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Hörbeispiel:
Man hat uns in Waggonen reingepfercht unter unmöglichen Umständen: 130, 140 Personen in einem Viehwaggon, ohne Essen, ohne Wasser, fast ohne Luft. Wenn wir einen Fuß anhoben, konnten wir es nicht mehr heruntertun. Manche von uns sind wahnsinnig geworden. Andere sind gestorben. Die sind aber auch neben uns gestanden, sie konnten nicht herunterfallen. Das war ein höllischer Weg.
(112. Verhandlungstag, 16.11.1964)

Erläuterung:
Die Deportation

Deportation

::Ab Oktober 1941 deportierten Stellen der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) Juden aus dem Deutschen Reich „nach dem Osten“. Seit Frühjahr 1942 erfolgten Deportationen aus den von der Wehrmacht besetzten Ländern und aus Staaten, die mit den Nationalsozialisten zusammen arbeiteten (Slowakei, Italien, Kroatien, Ungarn). In der Sprache der Täter hießen die Deportationen in den Tod „Evakuierung“ oder „Aussiedlung“ von Juden „nach dem Osten“.
der Juden aus dem damaligen Ungarn begann systematisch Mitte Mai 1944, nachdem die jüdische Bevölkerung in den von Ungarn annektierten Gebieten (Karpato-Ukraine, Siebenbürgen) ghettoisiert und in Sammelpunkten konzentriert worden war. Ungarische Stellen und die Gendarmerie des Landes verfrachteten seit Mitte Mai 1944 mit deutscher Hilfe (SS-Sondereinsatzkommando unter der Führung von SS-Obersturmführer Adolf Eichmann) die Juden in Güterwagen. Die Transporte von meist etwa 3.000 Menschen dauerten häufig drei bis vier Tage. Die Deportierten, oftmals aller Habseligkeiten beraubt, hatten weder Wasser noch Brot. Ihre Notdurft mussten sie in einen Eimer verrichten. Viele der Deportierten verstarben während der Fahrt. Die Transporte, die nach Auschwitz in den Tod führten, waren im wörtlichen Sinne für viele Waggoninsassen Todeszüge.

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Foto: Günter Schindler, © Fritz Bauer Institut