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Warum eine Fastnachts-Ausstellung? Die Idee, eine Ausstellung über die Geschichte des fastnachtlichen Brauchtums in Frankfurt und seiner näheren Umgebung zu schaffen, beschäftigte die Verantwortlichen des "1. Sindlinger Karnevalvereins 1925 e.V." schon seit vielen Jahren. Ursprünglich im Haus Sindlingen installiert, ist diese Ausstellung seit 2002 im SAALBAU Stadthalle Bergen dauerhaft zu sehen. Die Sammlung selbst rankt sich zwar um die fastnachtliche Brauchtumsgeschichte unserer engeren Heimat, bewusst jedoch wurden auch Exponate aus ganz Deutschland eingebracht, um Unterschiede zu verdeutlichen. Die Ausstellung ist zu sehen im SAALBAU Stadthalle Bergen, Marktstraße 15, 60388 Frankfurt am Main, der Eintritt ist frei.
Über die Fastnachts-Ausstellung? Einen großen Rahmen der Ausstellung nehmen die vielfältigsten Orden ein, die im karnevalistischen Geschehen vom Ursprung her eigentlich persiflierenden Charakter gegenüber der Obrigkeit hatten, heutzutage aber durchaus ernst zu nehmende Requisiten bei der Auszeichnung verdienter Karnevalisten sind.
Neben Kostümen, Uniformen und Mützen nehmen Urkunden und Schriftstücke aus der karnevalistischen Vergangenheit einen breiten Raum ein. Liederhefte, Sitzungsprogramme und Fastnachtszeitungen zeugen von dem urwüchsigen Humor und der Darstellungskraft dieses wichtigen volkstümlichen Brauchtums, das zu hegen und pflegen Hauptaufgabe der zahlreichen Vereine und Gesellschaften in unserer nähren und weiteren Heimat ist.
Vivat Fassenacht! Fastnachtsbrauchtum in Frankfurt.
Seit dem frühen Mittelalter war die "liturgische Zeit" Fastnacht, die der kirchlichen Osterfastenzeit vorangeht und mit dem Erwachen der Natur aus der winterlichen Starre zusammenfällt, Ausdruck archaischer Lebensfreude.
Für kurze Zeit entstand die verkehrte Welt der Narrenreiche, ein Fest sinnenfroher Körperlichkeit, Ventil und Entschädigung für ein karges, arbeitsreiches Leben, das sich in Lärmspektakeln, Fastnachtsspielen, Umzügen, Maskeraden, Tänzen, Ess- und Trinkgelagen überschwänglich und lauthals kundtat. Die Annahme, dass die Wurzeln der Fastnacht im heidnischen Brauchtum liege, hat die volkskundliche Forschung inzwischen weitgehend relativiert. Fastnacht ist kein Naturereignis, das auf geheimnisvolle Weise wiederkehrt. Fastnacht feiert den Wechsel, den Übergang von der untergeordneten zur geordneten Welt. Dem Reich der Narren - im Mittelalter bedeutete Narrheit Torheit und Gottesverleugnung - stand mit seinem "Hofstaat" aus Teufeln, Hexen, wilden Tieren und Ungläbigen das Reich Gottes mit seinen himmlischen Heerscharen gegenüber.
Es versteht sich von selbst, dass Kirche und Obrigkeit durch die Jahrhunderte hindurch immer wieder versuchten, dem sinnenfrohen, närrischen Treiben Einhalt zu gebieten bzw. es mit verboten zu belegen. Das Verhältnis zwischen Obrigkeit, Kirche und Fastnacht ist jedoch selbst zum Bestandteil des Fastnachtsbrauchtums geworden. Fastnacht ist, wie alle alltagskulturellen Bräuche, sozialen und historischen Wandlungsprozessen unterworfen. Sicher ist, dass im Fastnachstbrauch eine Art "Übergangsritual" erhalten ist, das nach einer bestimmten festgelegten Ordnung verläuft. Es kennzeichnet den Übergang vom Winter zum Frühling, vom Dunkel zum Licht genauso wie den Übergang von weltlich, profanen Feiergelüsten zu kirchlich, asketischen Fastengeboten - während der Fastenzeit wird dem Christ die Vergänglichkeit der Dinge und die Unausweichlichkeit des Todes vor Augen geführt. Hawele, hawele lone, Die Fassenacht get one Obgleich es ein Vorrecht der Narren ist, die Welt auf den Kopf zu stellen, spiegelten auch im mittelalterlichen Frankfurt die Fastnachtsbräuche das soziale Gefüge der Stadt wider. Während die Patrizier auf dem Samstagsberg Turniere abhielten, maskierte Umzüge veranstalteten und in den Stubengesellschaften bei auserlesenen Speisen prassten, tanzten und spielten, bestimmten die Handwerker und vor allem deren Gesellen das volkstümliche Fastnachtstreiben in der Stadt. Auch sie feierten auf den Zunftsstuben, es gehörte sogar zu ihrem verbrieften Recht, zu Fastnacht auf der Stube ausgiebig zu essen und zu trinken. Ausnahmsweise war die Stube an Fastnacht auch für die Gesellen erlaubt. Mit den Gelagen verbunden waren maskierte Heischegänge, bei denen die Gesellen Geld und Naturalien erbettelten. Ein Brauch, der sich bis ins 18./19. Jahrhundert hinein bei den Frankfurter Kindern allgemeiner Beliebtheit erfreute. Überliefert ist dieses Heischelied:
Hawele, hawele lone, Die Fassenacht get one Da owe uff em Hinkelhaus, Henkt e Korb voll Ajer eraus Da owe in de Ferschte, Henge die Bratwerschte Gebt uns die lange, Laßt die korze hange Glück schlag ins Haus, Komm nimmermehr eraus. Das Hawele, hawele lone bedeutet nichts anderes als ein verballhorntes "Ave Apollonia", da der Namenstag der heiligen Apolloniaauf den Fastnachtstag fiel. Fastnacht ist nicht gleich "Faß"-Nacht In einem Zeitraum von zweieinhalb Jahrhunderten achtmal belegt ist der Reiftanz der Bendergesellen auf dem zugefrorenen Main und das Aufbinden eines Fasses "von etlich Fuder", das anschließend dem Magistrat der Stadt feierlich übergeben wurde. Mit dem Reiftanz verwandt war der Schwerttanz, den die Frankfurter Schuhmacer und Bierbrauergesellen ebenfalls zur Fastnacht aufführten. Der gestrengen protestantischen Geistlichkeit Frankfurts gelang es jedoch immer wieder, die Genehmigung der Handwerkerfeste zu unterbinden, was schließlich zum Ende der Handwerkerfastnacht führte.
1838 kam es zu einem letzten Aufleben des traditionellen Benderbrauches, dem Aufbinden eines Fasses von 8 Ohm =1.147 Liter auf dem zugefrorenen Main.Eile war geboten, denn zwei Stunden nach Beendigung der Arbeit brach der Main auf. Im übrigen hat der Fassbrauch der Bender mit dem Begriff Fastnacht nichts zu tun. Ähnlich wie Carne(val), was soviel heißt wie die Verabschiedung vom Fleisch, meint Fastnacht ganz wörtlich die Nacht (die Zeit) vor der 40-tägigen kirchlichen Fastenzeit.
"Mer sein in Frankfurt lauter Narre, warum sich dann verstelle?" Friedrich Stoltze In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich auch in Frankfurt, angeregt durch das Mainzer Vorbild, die politisch, literarische Saalfastnacht. Das politisch erstarkte Bürgertum konnte hier seine Interessen artikulieren.
Die Bürger richteten sich gegen die verknöcherte Adelsgesellschaft, die mit ihrem Standesdünkel kräftig auf die Schippe genommen wurde. Die Stilmittel der politischen Fastnacht waren interessanterweise immer dann besonders ausgeprägt, wenn die Rechte der Bürger eingeschränkt oder bedroht waren.
So ist es kein Zufall, dass 1858, zehn Jahre nach Niederschlagung der 48er Revolution in Frankfurt - es herrschten strenge Zensurmaßnahmen und die Versammlungsfreiheit war eingeschränkt - der 1. Frankfurter Karnevalsverein, die "Bittern" (von Magenbitter) gegründet wurden. Friedrich Stoltze, Frankfurter, Republikaner und Demokrat gehörte zu den Gründungsmitgliedern. Bereits 1850 hatte Stoltze einen Maskenball zugunsten der in der Schweiz und England lebenden politischen Flüchtlinge veranstaltet. Stoltze war es auch, der 1852 eine Frankfurter Fastnachtszeitung, die "Frankfurter Krebbel- und Warme Brödercher-Zeitung, ein "Orkan der Narrheitregierung" herausbrachte. Böppcher, Pagen, Zeremonienmeister Die Frankfurter Fastnacht weist immer wieder größere Pausen auf. dafür sorgte die strenge lutherische Geistlichkeit ebenso wie die Frankfurter Ratsherren mit ihren Verboten und Verordnungen. Im übrigen hatten die Frankfurter in Kriegs- und Krisenzeiten, wie überall, wenig Lust zu feiern. Die auferlegte Fastnachtspause während des Golfkrieges 1991 ist in der Geschichte der Frankfurter Fastnacht durchaus kein Einzelfall.
Die Nationalsozialisten versuchten auch in Frankfurt, die populären Tendenzen der Fastnacht für ihre Interessen zu nutzen. Die narrenfreiheit hatte damit allerdings ein Ende, denn die Fastnacht wurde "gleichgeschaltet".
1936 kam es in Heddernheim zu einem Eklat. Auf der Titelseite der "Heddemer Käwwern-Zeitung" waren zwei Narren abgebildet, wovon einer die Züge Adolf Hitlers trug. Die Zeitung wurde sofort eingezogen, die Redakteure verhaftet und der Heddernheimer Fastnachtszug durch "Klaa Paris" verboten. Heute hat Frankfurt über 60 Karnevalsvereine, die im "Großen Rat der Karnevalvereine Frankfurt am Main" organisiert sind.
Das zunehmende Bedürfnis der Menschen nach Geselligkeit und historischer Identifikation hat der Fastnacht in unserer Freizeitgesellschaft eine neue Rolle zugewiesen. Aktive Teilnahme am Fastnachtsbrauchtum hilft eigene Identität auszubilden, spielerischen Umgang mit anderen Rollen einzuüben und über ethnische und soziale Schranken hinweg fröhliche Ausgelassenheit miteinander zu erleben.
Narren und verkehrte Welten sind gefragt in einer Gesellschaft, die überwiegend auf Werten wie Leistung und Nutzen aufbaut. Willkommen also im Reich der Narren und ein kräftiges Vivat der Frankfurter Fastnacht, wenn es ab jedem 11.11. wieder heißt: "Frankfurt Helau!"
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